Mittwoch, 4. Juli 2012

Die Kapitel eines Lebens (Prolog) - Sophies Series








» Die Kapitel eines Lebens.
„ […]Manchmal ist es schon komisch wie eine Geschichte beginnt. Manchmal weiß man nicht einmal mehr WO sie beginnt. Es ist schwer die einzelnen Kapitel, seines noch so besonderen Lebens, auseinander zu Halten. Und unweigerlich frage ich mich zunehmend häufiger, ist das alte jetzt vorbei? Hat das neue schon angefangen ohne dass ich es gemerkt habe? Man kann sich niemals sicher sein. […] "
22.10.11 Lil’S «







Sie klappte ihr MacBook zu, die kleinen Kratzer auf der Aluminiumhülle glänzten weiß im Sonnenlicht, das durch die kleinen, aber offenstehenden Fenster fiel. Kleine Staubfetzen und Pollen, trieben durch die Strahlen hindurch wie durch Honig und segelten langsam, ganz langsam hinunter auf ihren ordentlichen Glastisch. Wenn schon einmal der Sommer vor der Tür stand, sollte man ihn ja wohl auch hereinlassen. Sie grinste sich selbst im Spiegel zu, kam sich gleichzeitig unglaublich dumm dabei vor und hörte wieder auf. So etwas machte sie nie, vor allem nicht in der Öffentlichkeit. Sogar das Mädchen im Spiegel bekam leicht rote Wangen, und pustete sich zur Ablenkung eine Locke blondes Haar aus dem Gesicht. Sie hatte ihre Mähne zu einem Dutt hochgebunden, aber ein paar Strähnen hauten einfach immer ab und am Ende kam sie sich vor wie eine Ananas, der übel mitgespielt wurde. Sie hatte einfach zu viele Haare!
Entnervt sah sie auf die Uhr. Viertel nach Vier, genau wie geplant fertig geworden. Von der Schule gekommen und gleich hingesetzt. Zwischendurch etwas gegessen. Lernen. Nach den Haussaufgaben ein Blogeintrag geschrieben, ihn aber nicht veröffentlicht. Sie fand sich eigentlich ganz normal, auch wenn sie einige unübersehbare Macken hatte, aber wer hatte das nicht? Sie schrieb gerne und viel, für einen Blog den sie nicht einmal hatte, sie veröffentlichte keinen einzigen ihrer Einträge. Ihr bester Freund sagte, sie lerne zu viel, aber Schule war ihr einfach unheimlich wichtig. Sie schob den Stuhl vom gläsernen Schreibtisch weg, hörte wie die Rollen kurz über den Boden schabten und dann gegen den Teppich stießen, und sprang auf.
Genau im Selben Moment klingelte es unten an der Tür und ihre Mutter schrie: „Sophie! Mach die Tür auf“, von irgendwo anders im Haus. „Ja! Bin auf dem Weg!“ Während sie sich ihre Hose wieder anzog, und strampelnd mit einem Bein in der Luft hing, hörte sie wie die Haustür, die schon seit sie denken konnte immer ein wenig quietschte, aufschwang. Jetzt gab es nur noch zwei Optionen, eine davon kam nicht wirklich in Frage, und während sie noch die Möglichkeiten abwog, stahl sich ein Grinsen auf ihr Gesicht und ihre Sommersprossen hoben sich um ein paar Zentimeter.
Der letzte Hosenknopf rutschte ins Loch, und ein kleiner Lufthauch wehte um ihre nackten Füße, als sie sich auch schon umdrehte. Ihre Zimmertür stand sperrangelweit offen und zwischen den hölzernen Türbalken stand ein Junge, grinste dämlich in die Welt und verstrubbelte sein Haar mit seiner Hand. Sophie musste lachen, als sie ihren besten Freund so sah, nämlich so, wie sie ihn immer gesehen hatte. Er streckte ihr die Hand entgegen, er hatte kleine Hände, was sie nicht störte, sie hatte noch nie irgendetwas an ihm gestört, naja, fast. Er grinste immer noch. „Kommst du mit nach unten, deine Mum hat Essen gemacht und mich eingeladen.“
„Davon hast du mir aber nichts erzählt!“, gab sie beleidigt zurück. Sie wollte nicht dass er sie in ihrem Lern-Outfit sah. Nicht- … Nichtmehr. Sie wusste nicht einmal wieso, als er weg war hätte sie gesagt es würde sie nicht stören, aber jetzt wo er plötzlich hier stand...
„Ich wollte dich nicht überraschen, deswegen hab ich dir nichts erzählt.“,  ein entschuldigender Blick von oben, aus stahlgrauen Augen. Sie durfte ihm das nicht durchgehen lassen!
„Pff. Du kannst mich mal, heute wäschst du ab!“, sagte sie und ging geradewegs an der verdutzten Gestalt vorbei, über die Schulter streckte sie ihm die Zunge heraus, und war schon um die Ecke die Treppe runter verschwunden. „Was ist denn mit der los?“, murmelte der Junge und zerstrubbelte seine Haare. Eine Sekunde später folgte er ihr.

_________________________________________________

Wie ihr sehen könnt, ist dies etwas neues. Der Anfang, ein Versuch und vielleicht/hoffentlich noch viel mehr. Hier ensteht eine Geschichte, Stück für Stück, mit euch, weil ihr die Räder am Wagen seid, und der Sprit muss noch reichen. Teil des Versuches "Stilbruch" Den ich in einem älteren Post schon einmal angesprochen habe. Ich versuche hierbei mich mehr auf Dialoge zu verlassen als auf metaphorische Satzkonstrukte und weniger zu beschreiben. Klappt noch nicht so ganz, aber wir werden sehen. Ziel ist es, die Geschichte fertig zu kriegen. Ende.
Was meine Abwesenheit betrifft, so erfordern persönliche Angelegenheiten, das Abitur und einige andere unwichtigere Dinge leider sehr viel Widmung und Aufmerksamkeit, weswegen Papermans Schreibmaschine leider etwas einstaubt, aber man tut was man kann. Alte Dinge glänzen schließlich auch.

Wie üblich, aus Worten gegossen,
Paperman.   

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen